Personalentwicklung

Personalentwicklung bringt das was? Die 9 häufigsten Vorurteile

„Zu teuer, zu ineffektiv – und zu weit weg von den Fächern und Fachkulturen? Mal ehrlich: Zum Thema Personalentwicklung an Hochschulen kursieren etliche Vorurteile." Imke Täufer-Krebs, Leiterin des zuständigen Referats der CAU, bezieht Stellung. (Artikellesezeit: ca. 4 Minuten)
Porträt Imke Täufer-Krebs
Imke Täufer-Krebs
ist seit 2014 Leiterin der Personalentwicklung und des Gesundheitsmanagements
an der CAU. Die Diplompsychologin und Mutter von vier Söhnen liebt Wassersport, Yoga, Kunst & Kultur. An der Kieler Universität ist sie bereits seit 1994; u.a. hat sie
in den Bereichen systemische Beratung, Bildungsforschung, Coaching
und Weiterbildung gearbeitet.
Foto: Faust PHOTOWORK

 

Die häufigsten 9 Vorurteile:
 

No 1: „Auch beim Thema Personalentwicklung geht es doch letzten Endes nur um höher, schneller, weiter!"

„Dieser Anschein mag richtig sein. Wir arbeiten einerseits kompetenzbasiert, in diesem Bereich würde ich klar sagen: Ja, es geht um den Zuwachs von Kompetenzen. Und andererseits - vielleicht ist das ein kleines Kieler Spezifikum - arbeiten wir auch mit unveränderbaren Dimensionen der Persönlichkeit, mit Motiven und Charakteren. Dabei geht es uns eher darum, Dinge sichtbar zu machen, die stabil sind und diese anzuerkennen. Wenn man über Personalentwicklung spricht, muss man sich darüber im Klaren sein, dass man nicht immer alles lernen kann und, dass es gut ist, zu wissen, wie man aufgestellt ist. Zufrieden und gesund zu sein halte ich für ein der Voraussetzungen, um etwas leisten zu können."

No 2: „Personalentwicklung können wir uns an der CAU schlichtweg nicht leisten."

„Dazu fällt mir immer die Metapher vom "beharrlichen Holzfäller" von Jorge Bucay ein, der jeden Tag in den Wald zieht, um Bäume zu fällen. Am ersten Tag sind es 18 (!), aber von Tag zu Tag nimmt die Anzahl der Bäume ab, obwohl er mehr und mehr und mehr arbeitet. So schuftet er sich kaputt – von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Doch hielte er einmal inne, würde er merken, dass er seine Axt nur zu schärfen bräuchte, um wieder effektiver zu arbeiten.
Das ist ein gutes Bild: Die Personalentwicklung schärft die Äxte. Ein Beispiel aus unserem Alltag: Oft kann es helfen, bei der Kommunikation anzusetzen, wenn es um die Optimierung von Arbeitsprozessen geht: Klare Absprachen und Aufträge machen die Abläufe viel effektiver. Dabei unterstützen wir."

No 3: „Die Personalentwicklung gehört zur Zentralen Verwaltung der Uni – wie sollen die dort in ihrem Hochhaus denn einen strategischen Überblick gewinnen und auch noch wissen, was für meine persönliche Karriere relevant ist?!"

„In der Zentralen Verwaltung sitzen wir ganz dicht an den Strategen der Universität, sodass wir viel davon mitbekommen, wie sich die Universität in Zukunft ausrichten will. Beispielsweise wird der Bereich Personalentwicklung zunehmend wichtig, wenn es darum geht, Forschungsanträge bewilligt zu bekommen. Das heißt: Wir sitzen hier zwar ganz zentral - unsere Wirkung ist aber weitreichender in alle dezentralen Bereiche der Uni hinein.

Aber tatsächlich haben wir zwei Aufträge: Der eine ist eben, im Blick zu haben, wohin die Organisation als Ganzes will. Der andere ist es, die Menschen selbst im Blick zu haben. Wir beraten individuell, befördern eigene Wege und halten dafür ganz konkrete Instrumente bereit: von der persönlichen Beratung über individuelles Coaching und kollektive Teamangebote bis hin zu Moderation und Supervision. Klassische Weiterbildungsangebote finden dagegen in anderen Einrichtungen, wie z.B. der Stabsstelle Wissenschaftliche Weiterbildung, dem Graduiertenzentrum oder bei PerLe statt."

No 4: „Personalentwicklung brauchen doch nur diejenigen, bei denen es im Job nicht läuft."

„Diejenigen, bei denen im Job etwas nicht läuft, brauchen einen Teil von Personalentwicklung. Wir bieten beispielsweise an, in Konfliktfällen zu unterstützen und zu begleiten. Aber auch für all diejenigen, bei denen es im Job gerade gut läuft, haben wir eine große Bandbreite an Angeboten: zum Beispiel für Menschen, die sich in eine bestimmte Richtung weiterentwickeln möchten, die bestimmte Kompetenzen erlernen oder sich selbst genauer kennenlernen möchten."

No 5: „Woher soll denn die Personalentwicklung wissen, was mir bei meinem Job hilft? Die kennen sich in unserem Fach doch gar nicht aus."

„Das ist meistens richtig. Unser Fokus liegt auf dem Nebenfachlichen. Allerdings besteht ein Teil unserer Aufgabe auch darin, Menschen zu beraten, auf welche Weise sie sich weiterqualifizieren können. Wir erarbeiten mit der jeweiligen Person selbst, was für sie im Augenblick dran ist. Braucht es eine fachliche Qualifizierung - oder liegt die Qualifizierung, die ansteht, doch eher im persönlichen Kompetenz-Bereich? Wann immer es um Fragen der Effektivität, des Managements oder der Selbstorganisation geht, sind wir hier in der Personalentwicklung die Experten. Und am Ende bringen einen ja genau diese Dinge auch im eigenen Fach voran."

No 6: „Angebote zum Thema Personalentwicklung gibt es eh nur für die Chefetage. Wer keine Personalverantwortung trägt, gehört nicht zur Zielgruppe."

„Das stimmt nicht (lacht). Wir sind zuständig für das gesamte Personal der Universität. Wir arbeiten beispielsweise gern mit unserem Motivprofil, das dabei hilft, herauszufinden, was einen antreibt bzw. warum manche Aufgaben oder Situationen mehr Energie kosten. Es bietet sich also für alle an, von der Sekretärin bis zur Professorin, für Lehrende, für Hausmeister oder Doktoranden. Und natürlich ist es so, dass jede Teamentwicklung nur mit dem gesamten Team funktioniert. Eine Maßnahme, die die Chefetage voranbringt, hilft immer auch den übrigen Teammitgliedern. Wir finden deshalb schon, dass Führung sich immer auswirkt – nicht umsonst bringen wir gerade unseren ersten Newsletter zu diesem Thema heraus."

No 7: „Personalentwicklung qualifiziert mich als Arbeitnehmer*in – das muss sich doch auch im Gehalt niederschlagen!"

„Tatsächlich begegnet uns dieses Vorurteil recht häufig. Dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Gehaltsstufe oder Eingruppierung steigen, ist aber überhaupt keine Zielgröße einer Organisation. Jede*r wird zu Beginn einer Tätigkeit den Anforderungen entsprechend eingruppiert. Wenn man sich weiterentwickelt, Dinge dazulernt, Erfahrungen dazugewinnt, steht es natürlich jedem frei, sich auf eine höhere Gehaltsstufe zu bewerben. Aber wir können die Stellen nicht sukzessive höher eingruppieren, weil sich Menschen weiterqualifizieren. So funktioniert das Tarifsystem nicht, dem wir als öffentliche Einrichtung nun mal unterliegen. Und die Idee hinter diesem Tarifsystem ist es ja, eine möglichst gerechte Situation zu schaffen."

No 8: „Alles, was ich bei der Personalentwicklung mache, wird in meiner Personalakte dokumentiert."

„Das ist falsch! Die Gespräche hier mit uns sind absolut streng vertraulich! Wir sitzen zwar zusammen mit den Personalern im Hochhaus und können so mit den Experten im Personalrecht kooperieren. Aber alles, was in unseren Beratungen besprochen wird, bleibt auch hier in den Räumen der Personalentwicklung. Natürlich steht es jedem frei, selbst offen über Erfahrungen zu sprechen. Wir haben jedoch ein hohes Selbstverständnis darin, vertraulich zu arbeiten."

No 9: „Das Gesundheitsmanagement ist viel wichtiger als die Personalentwicklung. Wenn wir schon Geld in die Hand nehmen, dann doch lieber dafür."

„Da sprechen Sie etwas Wichtiges an: Gesundheit liegt uns sehr am Herzen! Natürlich brauche ich Personalentwicklung nur, wenn die Menschen überhaupt gesund sind. Wenn Menschen krank sind, können sie nicht arbeiten. Vor gut zwei Jahren haben wir deshalb auch ganz selbstverständlich das Thema Gesundheitsmanagement in die Personalentwicklung integriert. Gesundheit heißt für uns mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Wir möchten sie positiv beeinflussen indem wir z.B. für ein gutes respektvolles und wertschätzendes Miteinander und Kommunikation auf Augenhöhe stehen."

 

Auf dem Einfach gute Lehre-Blog können Sie nachlesen, was das Referat Personalentwicklung speziell für Lehrende der CAU in petto hat.

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News

 

CHRISTIANA FÜHRT 12.09.2017Mehrere Segeler auf einem Boot.
„ECHT führen. Integer statt konventionell."

- Vortrag mit anschließendem Intensiv-Workshop -

Vortrag:

In Ihrem Vortrag wird Kerstin Eisenschmidt über die MAIN 7® berichten. Die MAIN 7® sind der Weg für Führungskräfte, die mehr wollen, als nur die gängigen und guten Führungsinstrumente zu lernen. Sie setzen eine hohe Bereitschaft zur Selbstreflexion und einen umfassenden Entwicklungswunsch voraus.

Referentin: Kerstin Eisenschmidt,
Wirtschaftswissenschaftlerin und Geschäftsführerin der Eisenschmidt Consulting Crew.
Jahrelange Erfahrung im Bereich des strategischen Change Managements und in der Entwicklung von Führungspersönlichkeiten (national und international).


Wann: 12.09.2017
Wo: Vortragssaal Kunsthalle zu Kiel
Vortrag: 10.00 bis 12.00 Uhr
Intensiv-Workshop: 13.00 bis 17.00 Uhr

„CHRISTIANA FÜHRT – die Vortragsreihe“
„CHRISTIANA FÜHRT“: Anmeldung

Neue Kolleginnen im Team der Personalentwicklung

Neele Ferley wird ab dem 27.03.2017 für ein halbes Jahr unser Team der Personalentwicklung verstärken. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit ihr. Frau Ferley ist Personal- und Organisationsentwicklerin, mit einem Master in BWL, Schwerpunkt 'Personal' und hat Beraterqualifizierungen.


 

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