Personalentwicklung

Wertewandel in der Arbeitswelt

Was bedeutet gute Arbeit? Wir berichten Ihnen, wie sich das Verständnis zu guter Arbeit verändert und welche Bewegungen es dazu in den letzten Jahren gegeben hat. (Lesezeit: ca. 3 Minuten)
Priele im Wattenmeer symbolisieren Bewegung und Veränderung
Priele im WattenmeerFoto: Klaus Heinirch Vaselow/ Uni Kiel

 

Was bedeutet gute Arbeit?

Fester Job? Gutes Gehalt? Gutes Miteinander? Was bedeutet gute Arbeit? Wir haben uns für Sie umgehört, wie sich gute Arbeit heute immer klarer abzeichnet, und welche Bewegungen es in den letzten Jahren - zunächst unscheinbar und schleichend und dennoch spürbar - gegeben hat.

Fest steht, es gibt eine Tendenz: Weg von einer traditionellen Auffassung, in der Führung als Dienstleistung für die/den Angestellte*n verstanden wurde, hin zu einem Handeln, in dem Mitarbeiter*innen nicht nur für ihre Aufgaben und die dazugehörigen Fehler, sondern auch für die Prozess- und Arbeitsgestaltung selbst verantwortlich sind. Die Führungskräfte übernehmen z.B. die Rolle eines Coaches und stellen ihr Wissen dem Gesamtprozess zur Verfügung.

Bereits vor über 10 Jahren, 2006, veröffentlicht die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) eine repräsentative Umfrage zum Thema „Was ist gute Arbeit?“ und kommt zu folgenden Top 5: ein festes, verlässliches Einkommen (92 Prozent), ein sicherer Arbeitsplatz, Spaß an der Arbeit (85 Prozent), die Behandlung als Mensch durch Vorgesetzte (84 Prozent) und ein unbefristetes Arbeitsverhältnis (83 Prozent).(1)

Bedingungen, die weder in Wissenschaft noch Wirtschaft alle Arbeitsplätze erfüllen. Dennoch sind unter gleichen Bedingungen manche Menschen mit ihrem Arbeitsplatz zufriedener als andere.Wir fragen uns, woran das liegt und stellen beim Weiterlesen fest, dass es mindestens zwei Perspektiven auf das Thema gute Arbeit zu geben scheint.

Der Chef als Supernanny oder Arbeit in Eigenverantwortung?

Die eine Perspektive ist nach Aussage der Zeitschrift brand eins die eines Konsumenten, geprägt von der industriellen Erwerbsarbeit. Hier ist die/der Chef*in "eine Art Supernanny, die liefern muss: Einen exakten Rahmen, genaueste Vorgaben, ein Gehalt, Sozialleistungen, ein Büro und dazu noch gute Laune und einen ordentlichen Klacks Sinn."(2) Mitarbeiter*innen mit dieser inneren Haltung benehmen sich wie Verbraucher, weil man sie auch so behandelt. "Gute Arbeit erscheint in diesem Weltbild als Dienstleistung, die gerecht verteilt werden muss.“(2)

Mitarbeiter*innen, die mit der zweiten Perspektive schauen, fragen laut brand eins verstärkt nach dem Sinn ihrer Arbeit, sie wollen mehr als einfaches Abarbeiten von Arbeitsaufträgen, sie wollen gestalten und das betrifft auch die eigenen Aufgaben und die Zusammenarbeit im Team und mit Vorgesetzten. Auch die INQA- Studie zeigt, dass immerhin zwei Drittel der Befragten unter guter Arbeit auch die „Weiterentwicklung eigener Fähigkeiten“ und „Mitsprache und Gestaltungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz“ (58 Prozent) verstehen.

Der Wunsch nach Sinn und mehr Verantwortung bietet auch einen Erklärungsansatz für die auf den ersten Blick widersprüchlichen Ergebnisse des aktuellen Hochschulreports (April 2017). Die Studie zeigt, dass jede*r zweite Mitarbeiter*in des technisch administrativen sowie des künstlerisch-wissenschaftlichen Personals eine Überforderungen der Arbeitsmenge erlebt und gleichzeitig hinsichtlich der ihm/r übertragenen Verantwortung unterfordert ist (knapp 75%). Mitarbeiter*innen heute wünschen sich harmonische Zusammenarbeit und legen Wert auf Freizeit und Familie, heißt es.

Sinn statt Sicherheit?

Wir fragen uns: Bedeutet das also, dass Geld für mache Leute keine Rolle mehr spielt und finden eine Antwort auf der Website des Teams der Wollmilchsau GmbH. Hier wird argumentiert, dass Aussagen wie die oben genannten nicht bedeuteten, dass der Arbeitslohn nicht auch wichtig bleibt: „Es bedeutet“ heißt es auf wollmilchsau.de  „(wenn man sich die Fragestellungen und Datenbasis mal genau ansieht) nur, dass wir für Geld nicht mehr alles tun. Wir wägen ab, kennen unseren Wert und handeln mit unserer Arbeitskraft mehr, als es früher möglich und üblich gewesen wäre. Es geht darum, ´etwas Sinnvolles tun zu wollen und dafür gut bezahlt zu werden!´“(3). Dies betreffe insbesondere die Generationen X, Y und Z. (4)

Im Ergebnis bedeutet der Ruf nach der Gestaltung besserer Arbeitsbedingungen also auch, dass Mitarbeiter*innen aufgefordert sind, diese Bedingungen mitzugestalten und dass gute Arbeit dann möglich ist, wenn organisationale Struktur und eine entsprechende Kultur des Miteinanders eben zu dieser Mitbestimmung befähigen und diese befördern.

Tipps für Führungskräfte:

Der Wunsch nach Gestaltungsfreiraum von Mitarbeiter*innen kann durch Führungsverhalten sinnstiftend und motivierend gesteuert werden. Ein Führungsansatz, der dieses ermöglicht, ist zum Beispiel die Transformationale Führung. Nähere Informationen dazu finden Sie hier.

Nicht nur von weiteren Führungsansätzen, sondern auch davon, wie sich die eigene Haltung in der Führung zeigt, berichten wir Ihnen in unserer Reihe  CHRISTIANA FÜHRT. Die aktuellen Termine finden Sie hier.

Anmerkungen

  1. Vgl. INQA Studie. Die komplette Studie zum download finden Sie hier
  2. Zeitschrift brand eins, 09/14 S. 33
  3.  https://wollmilchsau.de/employer-branding/warum-arbeiten-wir-eigentlich/
  4. Die Generation X, geboren zwischen 1965 und 1980, auch Generation Golf genannt, wurde in ihrer Kindheit stark geprägt durch die Wirtschaftskrise und eine ansteigende Scheidungsrate.
    Die Generation Y, geboren zwischen 1980 und 2000, auch Gen Y oder Millennials genannt, sind die um die Jahrhundertwendegeborenen, die den Internetboom und die Globalisierung in vollen Zügen miterleben. Sie zeichnen sich im Gegensatz zu den Vorgängergenerationen durch ein hohes Bildungsniveau aus.
    Sie Generation Z, geboren zwischen 1995 und 2010, auch Generation YouTube genannt, die die Digitalisierung des Alltags komplett in ihr Leben eingebaut haben. (Quelle: https://www.absolventa.de/karriereguide/tipps/xyz-generationen-arbeitsmarkt-ueberblick)


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